Nahrungskettenregulierung im Kleinen Bodensee

Theorie

Unter Nahrungskettenregulierung versteht man die Beeinflussung der Wasserqualität über Veränderungen des im Gewässer vorhandenen Nahrungsgefüges (Nahrungskette). Konkret werden Algen fressende Kleinkrebse (Zooplankton) durch eine Verringerung ihrer Fressfeinde gefördert. Dazu wird der Bestand an Zooplankton fressenden Fischen im Gewässer reduziert.

Hohe Zooplanktondichten führen durch verstärkte Nahrungsaufnahme der Kleinkrebse zu einem Rückgang der Algen (Phytoplankton) im Gewässer. Die Transparenz des Wasser zu nimmt und am Gewässergrund können sich Wasserpflanzen ansiedeln.  Eine sauerstoffhaltige Wasserschicht über dem Sediment verhindert die Rücklösung von im Sediment gebundenen Nährstoffen. 

Umsetzung

Die im Rahmen der Nahrungskettenregulierung durchgeführten Befischungen erfolgten:

im Jahr 2003 zwischen 02.05.2003 und 23.05.2003
im Jahr 2004 zwischen 08.03. 2004 und 13.05.2004. 

Dabei kamen Stellnetze (meist 80 mm Maschenweite), Trappnetz, Reusen und Elektrobefischung zum Einsatz. Zusätzlich wurde stichprobenartig mit engmaschigen Netzen (22 mm, 30 mm, 40 mm) gefischt.          

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Einholen des Stellnetzes 
am kleinen Bodensee

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gefangene Brachsen
(Abramis brama)

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zweiflügelige Reuse 
mit Deckel und Boden

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 Für die in den genannten Befischungszeiträumen erzielten Ergebnisse klicken Sie auf eine der folgenden Jahreszahlen:

Ergebnisse 2003
Ergebnisse 2004

Im Jahr 2003 wurde an 8 Befischungstagen insgesamt ca. 3.276 kg Fische entnommen, 2004 waren es an 22 Befischungstagen ca. 3.607 kg Fisch. Die häufigste Art in beiden Jahren war die Brachse mit ca. 2005 kg (2003) bzw. ca. 2.814 kg (2004). Der Anteil der Brachsen lag damit 2003 bei ca. 61% und 2004 bei ca. 78 % des Gesamtertrages. 

In den Stellnetzen wurden fast ausschließlich Brachsen gefangen. Dabei handelte es sich überwiegend um große, ca. 1-1,5 kg schwere ausgewachsene Tiere. Wie Ergebnisse mit engmaschigen Netzen zeigten, sind Kleinfische in dem Gewässer unterrepräsentiert, was vermutlich auf den Fraßdruck der im Gebiet siedelnden Kormorane zurückzuführen ist.

Die Fische wurden überwiegend in den flacheren Abschnitten des nördlichen Seebereichs entnommen. Ein großer Teil der gefangenen Tiere wurde von Vertretern des SV Eggenstein in nahegelegenen Baggerseen wieder ausgesetzt.

Vorläufige Ergebnisse

Die Begleituntersuchungen zeigten, dass im Kleinen Bodensee in den Monaten Mai/Juni 2004:

die Sichttiefe mit 2-2,5 m deutlich höher als in den vergangenen Jahren (30-60 cm),
die Werte von Gesamtphosphat-P mit 65-70 µg/l im Vergleich zu den Vorjahreswerten deutlich reduziert waren und
der Chlorophyllgehalt des Wassers relatv gering war.

Vermutlich sind diese Verbesserungen auf die Befischung zurückzuführen.

Nach einem Hochwasser Anfang Juni 2004 hat sich die Wasserqualität im Kleinen Bodensee wieder verschlechtert und entsprach in den Sommermonaten weitgehend dem Zustand vor dem Beginn der Befischung. Diese Entwicklung ist für den Verlauf einer Nahrungskettenregulierung nicht untypisch, wie Erfahrungen aus zahlreichen anderen Seen belegen. Für einen Erfolg des Projektes ist eine Laufzeit von mindestens 5 Jahren erforderlich, in denen ca. 25-75% des Weißfischbestandes abgeschöpft werden sollte.